Lesespaziergänge in der Grundschule – Leseförderung mit Bewegung, Rätseln und jeder Menge Lesespaß

Lesespaziergänge in der Grundschule – Leseförderung mit Bewegung, Rätseln und jeder Menge Lesespaß
Lesen üben muss nicht bedeuten, still am Platz zu sitzen und ein Arbeitsblatt nach dem anderen zu bearbeiten. Gerade in der Grundschule lohnt es sich, Leseübungen abwechslungsreich zu gestalten und die Kinder immer wieder neu zum Lesen zu motivieren. Eine besonders schöne Möglichkeit dafür sind Lesespaziergänge. Sie verbinden das sinnentnehmende Lesen mit Bewegung, kleinen Rätseln und spannenden Geschichten.
In diesem Blogartikel zeige ich dir, wie meine Lesespaziergänge aufgebaut sind, welche didaktischen Möglichkeiten sie bieten und wie du sie auch in einer Klasse mit ganz unterschiedlichen Lesefähigkeiten einsetzen kannst.
Was ist ein Lesespaziergang?
Ein Lesespaziergang ist eine bewegungsorientierte Leseübung, bei der die Kinder kurze Texte oder Textabschnitte lesen und diese passenden Bildern zuordnen.
Dazu werden verschiedene Bildkarten im Klassenzimmer oder auf dem Flur verteilt. Die Kinder erhalten ein Arbeitsblatt mit mehreren Textabschnitten und machen sich auf die Suche nach den passenden Bildern.
Bei meinen Lesespaziergängen sind jeweils 16 Leserätsel enthalten. Die Kinder müssen den Inhalt des Textes verstehen, das entsprechende Bild finden und die zugehörige Bildnummer beziehungsweise den Lösungsbuchstaben auf ihrem Arbeitsblatt eintragen.
Am Ende entsteht aus den gesammelten Buchstaben ein Lösungssatz, der die Geschichte aufgreift und eine zuvor gestellte Frage beantwortet.
Die Kinder lesen also nicht einfach einzelne Sätze, sondern verfolgen mit ihrer Leseübung ein konkretes Ziel. Sie möchten das Rätsel lösen und herausfinden, wie die Geschichte ausgeht.
Mehr als nur eine Leseübung: So sind meine Lesespaziergänge aufgebaut
Mir ist wichtig, dass meine Lesespaziergänge nicht einfach aus einer Sammlung beliebiger Sätze bestehen. Deshalb hat jeder Lesespaziergang einen inhaltlichen Schwerpunkt und ist in eine passende Rahmengeschichte eingebettet.
So entsteht eine vollständige Lesestunde mit einem gemeinsamen Einstieg, einer differenzierten Arbeitsphase und einer abschließenden Auflösung.
1. Einstieg mit einer Rahmengeschichte
Jeder meiner Lesespaziergänge beginnt mit einer kurzen Rahmengeschichte und einem passenden Bild.
Zum Beispiel beschäftigen sich die KInder bei meinem Lesespaziergang zum Thema Gefühle mit verschiedenen Alltagssituationen und den Emotionen, die diese bei den beteiligten Personen auslösen.
Zum Einstieg betrachten wir gemeinsam das Bild und hören die Geschichte. Die Kinder können sich zu den dargestellten Situationen äußern, eigene Erfahrungen einbringen und Vermutungen aufstellen.
Anschließend entwickeln wir aus der Geschichte eine gemeinsame Zielfrage. Diese soll im Verlauf der Leseübung beantwortet werden.
Dieser Einstieg hat gleich mehrere Vorteile: Die Kinder werden neugierig auf die Geschichte, können ihr Vorwissen aktivieren und erhalten einen inhaltlichen Zusammenhang für die anschließenden Lesetexte.
2. Die eigentliche Leseübung
Nun beginnt der Lesespaziergang.
Die Bildkarten werden im Klassenraum verteilt und die Kinder erhalten ihre Arbeitsblätter. Anschließend lesen sie die einzelnen Textabschnitte und suchen nach den passenden Bildern.
Dabei müssen sie genau lesen und wichtige Informationen aus den Texten entnehmen.
Welche Person wird beschrieben? Wie fühlt sie sich? Welche Situation passt zur Aussage im Text?
Die Kinder vergleichen ihre Informationen mit den Bildern und entscheiden, welche Karte zu welchem Textabschnitt gehört.
Durch das Zuordnen der Bildnummern und Lösungsbuchstaben arbeiten sie sich Schritt für Schritt zum Lösungssatz vor.
3. Gemeinsame Auflösung und Reflexion
Am Ende kommen wir wieder zusammen und beantworten mithilfe des Lösungssatzes die Frage aus der Einstiegsphase.
Obwohl die Kinder mit unterschiedlich schwierigen Texten gearbeitet haben, ist der Lösungssatz auf allen drei Differenzierungsstufen gleich.
So können wir die Geschichte gemeinsam auflösen, unabhängig davon, welches Leseniveau die einzelnen Kinder bearbeitet haben.
Anschließend bietet sich eine kurze Reflexionsrunde an:
Was hat dir an der Geschichte gefallen?
Welche Textabschnitte fandest du schwierig?
Wie hast du die passenden Bilder gefunden?
Was ist dir beim Lesen leichtgefallen?
Was möchtest du beim nächsten Mal noch üben?
Bei thematischen Lesespaziergängen wie dem Leserätsel zu den Gefühlen können wir außerdem über die Inhalte der Geschichte sprechen und diese im Unterricht weiter vertiefen.
Dreifach differenzierte Lesespaziergänge – ein Thema für alle Kinder
Eine der größten Herausforderungen im Leseunterricht sind die unterschiedlichen Lesefähigkeiten innerhalb einer Klasse.
Während einige Kinder bereits längere Texte flüssig lesen und sicher verstehen können, benötigen andere noch viel Zeit, um einzelne Wörter und Sätze zu entschlüsseln.
Deshalb sind meine Lesespaziergänge dreifach differenziert.
Die drei Varianten unterscheiden sich in der sprachlichen und textlichen Schwierigkeit. So können die Kinder auf ihrem jeweiligen Leseniveau arbeiten, ohne dass dafür unterschiedliche Geschichten oder Materialien eingeführt werden müssen.
Alle Kinder beschäftigen sich mit demselben Thema, suchen dieselben Bilder und gelangen am Ende zum gleichen Lösungssatz.
Das bringt für den Unterricht mehrere Vorteile mit sich:
Jedes Kind kann auf einem angemessenen Leseniveau arbeiten.
Die Kinder bleiben Teil einer gemeinsamen Unterrichtsstunde.
Die Aufgaben überfordern schwächere Leserinnen und Leser nicht unnötig.
Lesestarke Kinder erhalten ausreichend anspruchsvolle Texte.
Der gemeinsame Einstieg und die abschließende Reflexion verbinden die verschiedenen Differenzierungsstufen.
Gerade für heterogene Lerngruppen ist mir dieser gemeinsame Rahmen besonders wichtig. Differenzierung soll schließlich nicht bedeuten, dass jedes Kind vollkommen losgelöst von den anderen an einem anderen Thema arbeitet.
Welche Lesekompetenzen werden mit Lesespaziergängen gefördert?
Lesespaziergänge bieten weit mehr als eine motivierende Abwechslung im Deutschunterricht.
Sinnentnehmendes Lesen trainieren
Das wichtigste Lernziel ist das sinnentnehmende Lesen.
Die Kinder müssen die Bedeutung eines Textabschnitts erfassen und anschließend überprüfen, welches Bild zu den beschriebenen Informationen passt.
Es reicht also nicht aus, einen Satz lediglich laut vorlesen zu können. Die Kinder müssen verstehen, was sie gelesen haben.
Dabei lernen sie, Informationen gezielt aus Texten herauszufiltern, Zusammenhänge zu erkennen und ihre Entscheidungen anhand des Gelesenen zu treffen.
Genaues Lesen fördern
Oft unterscheiden sich die dargestellten Situationen oder Bilder nur in bestimmten Einzelheiten.
Deshalb müssen die Kinder genau hinschauen und aufmerksam lesen.
Wenn eine Bildkarte nicht zum Text passt, müssen sie möglicherweise noch einmal nachlesen, welche Information sie übersehen haben.
Dieses erneute Überprüfen ist eine wichtige Lesestrategie. Die Kinder erfahren, dass es beim Lesen nicht allein auf Geschwindigkeit ankommt, sondern vor allem darauf, den Inhalt richtig zu verstehen.
Lesemotivation durch Rätsel steigern
Der Lösungssatz gibt der Leseübung ein klares Ziel.
Die Kinder möchten herausfinden, welche Antwort sich hinter den einzelnen Buchstaben verbirgt. Dadurch erhält das Lesen einen spielerischen Rätselcharakter.
Statt einen Text nur zu lesen, weil die Lehrkraft es vorgibt, lesen sie, um ein Problem zu lösen.
Gerade Kinder, die sich mit klassischen Leseaufgaben schwertun, können von dieser zusätzlichen Motivation profitieren.
Lesen und Bewegung miteinander verbinden
Ein weiterer Vorteil ist die Bewegung während der Arbeitsphase.
Die Kinder verlassen ihren Arbeitsplatz, gehen zu den verschiedenen Bildkarten und kehren mit neuen Informationen zu ihrem Arbeitsblatt zurück.
Die Bewegung sorgt für Abwechslung und kann Kindern helfen, die Schwierigkeiten haben, über längere Zeit konzentriert am Platz zu sitzen.
Dabei geht es allerdings nicht darum, möglichst schnell von einer Karte zur nächsten zu laufen. Die eigentliche Herausforderung bleibt das aufmerksame Lesen und Zuordnen.
So kannst du die Lesespaziergänge in der Grundschule differenziert einsetzen
Die dreifache Differenzierung ist bereits eine wichtige Grundlage. Darüber hinaus gibt es weitere Möglichkeiten, den Lesespaziergang an die Bedürfnisse deiner Lerngruppe anzupassen.
Einzelarbeit: Kinder, die bereits selbstständig lesen können, bearbeiten den Lesespaziergang in ihrem eigenen Tempo. Sie entscheiden selbst, welchen Textabschnitt sie als Nächstes lesen und welche Bildkarte sie suchen.
Partnerarbeit: Besonders für Kinder mit noch unsicherer Lesekompetenz können Lesetandems hilfreich sein. Die Kinder lesen gemeinsam, besprechen die Textinhalte und suchen zusammen die passenden Bilder. Dabei ist wichtig, dass beide Kinder aktiv an der Leseübung beteiligt bleiben.
Begleitete Lesegruppe: Kinder, die noch größere Schwierigkeiten beim Lesen haben, können den Lesespaziergang gemeinsam mit der Lehrkraft oder einer unterstützenden Person bearbeiten. Hier lassen sich einzelne Wörter klären, Sätze gemeinsam erlesen und Lesestrategien gezielt anbahnen.
Lesestarke Kinder: Kinder, die ihre Aufgaben besonders schnell lösen, erhalten zusätzliche Aufträge, mit denen sie sich vertiefend mit den Inhalten beschäftigen können.
Zusatzaufträge für schnelle Leserinnen und Leser
Zu meinen Lesespaziergängen gehören auch passende Zusatzaufträge.
Diese sind nicht einfach weitere Aufgaben desselben Typs, sondern ermöglichen eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema.
Beim Lesespaziergang zu den Gefühlen setzen sich die Kinder beispielsweise mit verschiedenen Situationen auseinander, die von unterschiedlichen Personen ganz unterschiedlich empfunden werden können.
Sie überlegen, wie sich die beteiligten Kinder fühlen könnten, und halten ihre Gedanken schriftlich fest.
Solche Aufgaben eignen sich nicht nur zur Differenzierung für besonders schnelle Kinder. Du kannst sie auch in einer Folgestunde aufgreifen und damit die Inhalte des Lesespaziergangs weiter vertiefen.
Fächerübergreifendes Lernen: Lesespaziergänge als Ausgangspunkt für Gespräche
Besonders schön finde ich die Möglichkeit, mit den Lesespaziergängen auch andere Lernbereiche anzusprechen.
Beim Thema Gefühle geht es beispielsweise nicht allein darum, Texte zu lesen und Bilder zuzuordnen.
Die dargestellten Situationen laden dazu ein, über eigene Emotionen, unterschiedliche Wahrnehmungen und das Zusammenleben in der Klasse zu sprechen.
Warum ist eine Situation für ein Kind lustig, während ein anderes darüber traurig wird? Können zwei Menschen dieselbe Situation unterschiedlich empfinden? Wie können wir erkennen, wie sich andere fühlen?
So lässt sich die Leseübung wunderbar mit dem sozialen Lernen verbinden.
Je nach Thema können Lesespaziergänge auch als Einstieg oder Ergänzung für andere Unterrichtsinhalte dienen.
Die Verbindung aus einer gemeinsamen Geschichte, gezieltem Lesetraining und anschließender inhaltlicher Auseinandersetzung macht sie für mich besonders vielseitig.
Selbstkontrolle: Die Kinder überprüfen ihre Ergebnisse
Damit die Kinder ihre Ergebnisse selbstständig überprüfen können, enthalten meine Lesespaziergänge passende Lösungsblätter zu den verschiedenen Differenzierungsstufen.
So können sie ihre Zuordnungen eigenständig kontrollieren und mögliche Fehler noch einmal nachvollziehen.
Dabei empfehle ich, die Kinder nicht einfach nur falsche Ergebnisse verbessern zu lassen, sondern sie dazu anzuregen, die betreffenden Textabschnitte erneut zu lesen.
Warum passt das ursprünglich gewählte Bild nicht? Welche Information im Text weist auf eine andere Bildkarte hin?
Auf diese Weise wird die Selbstkontrolle zu einem weiteren Bestandteil der Leseförderung.
So könnte eine Lesestunde mit einem Lesespaziergang aussehen
Für eine Unterrichtsstunde kannst du dich an diesem einfachen Ablauf orientieren:
Einstieg: Gemeinsam betrachten wir das Einstiegsbild und hören die Rahmengeschichte. Die Kinder tauschen sich über ihre Vermutungen aus und wir formulieren die Zielfrage.
Arbeitsphase: Die Kinder erhalten die Arbeitsblätter auf ihrem jeweiligen Leseniveau. Sie lesen die Textabschnitte und suchen die passenden Bildkarten. Wer zusätzliche Unterstützung benötigt, arbeitet im Tandem oder in einer begleiteten Gruppe.
Selbstkontrolle: Die Kinder vergleichen ihre Ergebnisse mit den Lösungsblättern und verbessern mögliche Fehler.
Auflösung: Gemeinsam entschlüsseln wir den Lösungssatz und beantworten damit die Frage aus der Einstiegsphase.
Reflexion: Wir sprechen über die Geschichte, die eingesetzten Lesestrategien und die Erfahrungen während der Leseübung. Bei Bedarf greifen wir die Inhalte mit den Zusatzaufträgen weiter auf.
Dieser feste Ablauf bietet den Kindern Orientierung und erleichtert es, die Lesespaziergänge regelmäßig in den Deutschunterricht einzubauen.
Mein Fazit: Lesespaziergänge verbinden Leseförderung mit Freude am Lesen
Lesespaziergänge sind für mich eine wunderbare Möglichkeit, das sinnentnehmende Lesen in der Grundschule abwechslungsreich zu fördern.
Die Kinder lesen mit einem konkreten Ziel, bewegen sich durch den Klassenraum und lösen Schritt für Schritt ein Rätsel.
Durch die dreifache Differenzierung können dabei auch Kinder mit unterschiedlichen Lesefähigkeiten an einer gemeinsamen Geschichte arbeiten.
Besonders wichtig finde ich den vollständigen Unterrichtsaufbau: Die Rahmengeschichte weckt die Neugier, die Leseübung fördert das genaue Lesen und die gemeinsame Auflösung gibt der Stunde einen schönen Abschluss und kann die Reflexionsfähigkeit schulen.
Mit den Zusatzaufträgen lassen sich die Inhalte anschließend vertiefen und teilweise sogar fächerübergreifend weiterbearbeiten.
So wird aus einer einfachen Leseübung eine abwechslungsreiche Lesestunde, in der alle Kinder auf ihrem Niveau mitarbeiten können.
Entdecke meine Lesespaziergänge für die Grundschule!
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